Haltung

Worauf es ankommt

Unter „Haltung“ subsummiere ich alle relevanten Werte, Haltungen und Glaubenssätze die handlungsleitend sind. Da sich ein Mensch im Rahmen der professionellen psychosozialen Beratung in seiner Gesamtheit in den Prozess einbringt, ist die Frage „Wer bin ich in dieser Rolle?“ von entscheidender Bedeutung. Wie verstehe ich meine Aufgabe in der Arbeit mit Klienten? Coaching (als Synonym für alle Arten der psychosozialen Beratung), so wie ich es verstehe, ist ein co-kreativer Prozess zwischen Klient/en und dem Coach, im Auftrag und zum Nutzen des Klienten. Coaching erfolgt auf Augenhöhe, im Vertrauen auf die grundsätzliche Autonomie der Klienten und im Wissen, dass diese Autonomie nicht immer im vollem Umfang gegeben ist, woraus sich auch eine Verantwortung ableitet.

Am Beginn des Prozesses steht die Auftragsklärung. Hier arbeiten Coach und Coachee daran Klarheit über die Zeile zu gewinnen und schlussendlich Einigkeit darüber zu erreichen, woran gearbeitet wird und auch welche Kriterien möglich sind um festzustellen, ob die gemeinsame Arbeit nützlich ist. Die verfolgten Ziele sind jedenfalls transparent und die Ziele der KlientInnen sein. Ich halte es für unethisch, dass ein Coach eigenständig Ziele verfolgt, die nicht offengelegt sind, auch und vor allem, wenn es sich um Ziele handelt, die vermeintlich zum Nutzen der KlientInnen sind. Eine Abweichung von den vereinbarten Zielen kann durchwegs nützlich, sinnvoll und angemessen sein, sollte aber jedenfalls thematisiert werden. Coaching ist kein linearer Prozess, sondern kann eher als Spirale, also in Schleifen, verstanden werden, die sich aber im besten Fall auf unterschiedlichen, aufsteigenden Niveaus befinden. „Obwohl man sich manchmal im Kreis dreht, geht etwas weiter!“

Im Gegensatz zu vielen Therapieformen, die meinen ein „Durcharbeiten“ von vergangenen Ereignissen wäre nötig oder auch nur sinnvoll, was aus meiner Sicht neurobiologisch im Wesentlichen als widerlegt gelten kann, arbeite ich lösungs-, ressourcen- und zukunftsorientiert. Natürlich können Schilderungen von vergangenen Ereignissen subjektiv als wichtig oder kausal betrachtet werden. Diese sind allerdings nicht „wahr“, wenngleich oft sehr wirksam. Es hilft aber zu verstehen, wie Klienten ihre WIRKlichkeit konstruieren.

Für unser Erleben ist besonders wichtig, wie wir wahrgenommenen Ereignissen Bedeutung geben, welche Interpretationen wir anstellen. Als wesentlicher Grundsatz meiner Arbeit gilt, dass die Deutungshoheit für Ereignisse meiner Klienten jedenfalls bei ihnen liegt. Ich frage also sehr oft bei Schilderungen von Ereignissen „und was bedeutet das für sie?“. Einerseits tue ich das im Bemühen zu „verstehen“ andererseits um implizit zu demonstrieren, dass immer mehrere Deutungsvarianten möglich sind und ich wissen will, welche gewählt wurde.

Neben der Transparenz hat die Verschwiegenheit einen besonders hohen Stellenwert in der Beratung. Selbstverständlich können und müssen KlientInnen darauf vertrauen können, dass alles was im Rahmen eines Coachingprozesses geschieht bzw. gesprochen wird, vertraulich ist. Sollte es notwendig sein, dass externe über etwas informiert werden sollen oder müssen, geschieht das nur in Abstimmung mit den KlientInnen.

Grundlage eines guten Coachings ist eine gute Beziehungsgestaltung. Dabei ist Coaching bei weitem nicht immer angenehm. Gute Coaches müssen sehr viel öfter Nützliches als Angenehmes sagen. Die gute Coachingbeziehung profitiert jedenfalls von Ähnlichkeiten zwischen Coach und Coachee, aber wirklich Neues entsteht aus den Unterschieden. Wenn Sie also wirklich profitieren wollen, suchen Sie sich einen Coach, der Ihnen gerade so unähnlich ist, dass gerade noch eine gute Beziehungsgestaltung möglich ist.

Ich persönlich bin für meine KlientInnen durchaus eine ZuMUTung. Ich arbeite (auch) provokativ und fordere sie. Ich hoffe, dass ich wenige „Dogmen“ habe, sondern in meiner Arbeit im Sinne der Klientinnen flexibel und kreativ bleibe.

Die Rückmeldung einer meiner ersten KlientInnen, die mich sehr gefreut hat und sehr bezeichnend ist, war: „Stefan, du warst ein echter A…., aber es hat geholfen! Danke!“ (Ich bin bis heute der Meinung, dass sie dabei einen sehr netten Unterton hatte)

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